Schon im Jahre 1951
plante man, in der evangelischen Gemeinde Pfaffendorf ein Wohn- oder
Altenheim für ältere Gemeindemitglieder zu bauen. Pfarrer
Gladischefski, der seit 1946 in der Gemeinde tätig war, konnte aber
erst 1962 seinen Plan verwirklichen. Durch Spenden und öffentliche
Mittel war es dann möglich, das Heim zu errichten. Ein
Grundstück war vorhanden, denn die evangelische Gemeinde Pfaffendorf
hatte 1922 den ehemaligen "Altenberger Hof" in Horchheim erworben. Aus
den verfallenen Gebäuden wurde in der Reiffenbergstraße in Horchheim
eine Kapelle für die Horchheimer Gemeinde gebaut. Sie erhielt den
Namen "Lutherkapelle".
Der "Altenberger Klosterhof" kam wahrscheinlich durch eine Schenkung
des Erzbischofs von Köln im 13. Jahrhundert an die Zisterzienser-Abtei
im Bergischen Land. Dieser Hof in Horchheim, dem mehrere Rotweinberge
im Ort und in der Umgebung gehörten, wurde von einem Klosterbruder
verwaltet, der gleichzeitig auch die katholische Gemeinde betreute.
Über diesen Besitz gibt es noch einige Urkunden über Schenkungen,
Käufe, Streitereien u.s.w.
Durch die Säkularisierung wurde der "Altenberger Hof" aufgelöst und
versteigert. Im Jahre 1825 kam er in den Besitz eines Horchheimer
Bürgers, der ihn dann später an den Bankdirektor Mendelssohn
verkaufte. Die Familie Mendelssohn renovierte den gesamten Besitz und
ließ sich von dem rheinischen Baumeister Johann C. von Lassaux im Park
am Rhein ein Gartenhaus, das sogenannte "Teehaus", bauen. Um die
Jahrhundertwende schenkte die Familie Mendelssohn ihren gesamten
Besitz den Kaiserswerther Diakonissen. Sie errichteten im
Mendelssohnstift, dem früheren Wohnhaus der Mendelssohns, ein
Erholungsheim für die Diakonissen. Die Gemeinde Pfaffendorf erwarb von
ihnen das Gartenhaus und die Reste des "Altenberger Klosterhofes" in
der Reiffenbergstraße. Aus dem "Teehaus" wurde die Kapelle erbaut, und
aus einer alten Fachwerkscheune und anderen Mauerüberresten baute man
dann 1962 das Altenheim.
1922 sandten die Kaiserswerther Diakonissen Schwester Anna Schulze zur
Betreuung der evangelischen Gemeindemitglieder nach Horchheim. Sie
wurde eine große Bereicherung für die Gemeinden in Horchheim und
Pfaffendorf. Wir älteren Gemeindeglieder erinnern uns ihrer dankbar.
Sie war es auch, die nach dem Krieg 1946 mit Herrn Pfarrer
Gladischefski notdürftig die beschädigte Kapelle wieder herrichtete.
Später wurde dann auch die Kapelle neu gestaltet und erweitert. Die
Horchheimer evangelische Gemeinde hatte sich im Laufe der Jahre sehr
vergrößert.
1962 war es also soweit, das Altenheim einzuweihen. Man hatte der
Stadt und der Kirchenverwaltung eine Wirtschaftlichkeitsrechnung
vorlegen müssen. Es durften auch der Kirchenkasse keine laufenden
Aufwendungen aus dem Betrieb des Altenheims erwachsen. Rechtsträger
war die evangelische Kirchengemeinde in Pfaffendorf. Die Leitung
übernahm das Presbyterium der Pfaffendorfer Gemeinde. Anfangs betrugen
die Zimmerpreise mit Vollpension 220,00 DM bis 360,00 DM im Monat. Der
Betrag richtete sich nach der Größe der Einzel- und Doppelzimmer. Etwa
die Hälfte der Heimbewohnerinnen und Heimbewohner waren Privatzahler,
die andere Hälfte waren Sozialhilfeempfänger. Sie bekamen vom Heim ein
monatliches Taschengeld von 20,00 DM. Es gab im Laufe der Zeit drei
vollbeschäftigte Angestellte und ein bis drei halbtagesbeschäftigte
Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Es halfen auch Konfirmandinnen im
Heim mit.
Anfangs beherbergte das Heim 30 Bewohnerinnen und Bewohner. Um das
Heim herum wurden auch schöne Blumen und Sträucher angepflanzt. Alle
fühlten sich wohl. Als Schwester Anna das Amt der Gemeindeschwester
aufgab, zog auch sie in das Heim und betreute ihre Mitbewohnerinnen
und Mitbewohner. Es wurde viel vorgelesen, gesungen, und ich glaube,
daß zu dieser Zeit eine gute Atmosphäre herrschte. Schwester Anna
blieb etwa bis Anfang der achtziger Jahre im Altenheim und wurde dann
wegen ihrer Krankheit nach Kaiserswerth zurückgerufen.
Später wurden auch die Doppelzimmer in Einzelzimmer umgewandelt.
Dadurch erhöhten sich in geringem Maße die Preise.
Doch für das Altenheim änderten sich die Zeiten. Das Heim wurde den
modernen Ansprüchen nicht mehr gerecht. Es gab zum Beispiel keine
Pflegestation, die Treppen waren sehr schlecht und beschwerlich. Man
konnte aber aus finanziellen Gründen keinen Lift einbauen lassen.
Nachdem die Bezirksregierung in Koblenz nach einer Besichtigung vieles
beanstandete, entschloß man sich im Presbyterium nach langen Debatten,
das Heim 1985 zu schließen, schweren Herzens, war es doch einst mit
viel Mühe errichtet und erhalten worden. Es war ja auch nicht einfach,
nun für die alten Menschen eine neue Heimat zu finden. Doch mit Hilfe
der Verwandten und der Gemeinde fanden alle Heimbewohnerinnen und
Heimbewohner einen neuen Platz nach ihrem Wunsch.
Was sollte nun aus den leeren Gebäuden werden? Eine kurze Zeit gab es
die Überlegung, ein Frauenhaus einzurichten. Dies fand aber beim
Koblenzer Stadtrat keine Zustimmung.
Später interessierte sich das "Haus an der Christuskirche" für das
ehemalige Altenheim. Im "Haus an der Christuskirche" sind in der
Hauptsache psychisch Erkrankte untergebracht, die auf dem Weg sind,
wieder in den normalen Alltag mit all seinen Anforderungen
zurückzufinden. Nach dem Aufenthalt im Haupthaus des "Hauses an der
Christuskirche" sollen die psychisch Gesundenden noch einige Zeit in
einer Außenwohngruppe leben. Seit 1988 befindet sich nun im ehemaligen
Altenheim eine solche Außenwohngruppe. So hat sich doch noch eine gute
Lösung gefunden.
Das Heim, das einst ein Aufenthaltsort für alte Menschen war, ist
jetzt eine Bleibe für überwiegend junge Menschen, die voller Hoffnung
in ihre Zukunft schauen.
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