1899 - 1999
Festschrift der Evangelischen Kirchengemeinde Koblenz-Pfaffendorf aus Anlaß des 100. Jahrestages ihrer Gründung zum 1. Oktober 1899

 

Das Altenheim in Horchheim

 

Schon im Jahre 1951 plante man, in der evangelischen Gemeinde Pfaffendorf ein Wohn- oder Altenheim für ältere Gemeindemitglieder zu bauen. Pfarrer Gladischefski, der seit 1946 in der Gemeinde tätig war, konnte aber erst 1962 seinen Plan verwirklichen. Durch Spenden und öffentliche Mittel war es dann möglich, das Heim zu errichten. Ein
Grundstück war vorhanden, denn die evangelische Gemeinde Pfaffendorf hatte 1922 den ehemaligen "Altenberger Hof" in Horchheim erworben. Aus den verfallenen Gebäuden wurde in der Reiffenbergstraße in Horchheim eine Kapelle für die Horchheimer Gemeinde gebaut. Sie erhielt den Namen "Lutherkapelle".

Der "Altenberger Klosterhof" kam wahrscheinlich durch eine Schenkung des Erzbischofs von Köln im 13. Jahrhundert an die Zisterzienser-Abtei im Bergischen Land. Dieser Hof in Horchheim, dem mehrere Rotweinberge im Ort und in der Umgebung gehörten, wurde von einem Klosterbruder verwaltet, der gleichzeitig auch die katholische Gemeinde betreute.
Über diesen Besitz gibt es noch einige Urkunden über Schenkungen, Käufe, Streitereien u.s.w.

Durch die Säkularisierung wurde der "Altenberger Hof" aufgelöst und versteigert. Im Jahre 1825 kam er in den Besitz eines Horchheimer Bürgers, der ihn dann später an den Bankdirektor Mendelssohn verkaufte. Die Familie Mendelssohn renovierte den gesamten Besitz und ließ sich von dem rheinischen Baumeister Johann C. von Lassaux im Park am Rhein ein Gartenhaus, das sogenannte "Teehaus", bauen. Um die Jahrhundertwende schenkte die Familie Mendelssohn ihren gesamten Besitz den Kaiserswerther Diakonissen. Sie errichteten im Mendelssohnstift, dem früheren Wohnhaus der Mendelssohns, ein Erholungsheim für die Diakonissen. Die Gemeinde Pfaffendorf erwarb von ihnen das Gartenhaus und die Reste des "Altenberger Klosterhofes" in der Reiffenbergstraße. Aus dem "Teehaus" wurde die Kapelle erbaut, und aus einer alten Fachwerkscheune und anderen Mauerüberresten baute man dann 1962 das Altenheim.
1922 sandten die Kaiserswerther Diakonissen Schwester Anna Schulze zur Betreuung der evangelischen Gemeindemitglieder nach Horchheim. Sie wurde eine große Bereicherung für die Gemeinden in Horchheim und Pfaffendorf. Wir älteren Gemeindeglieder erinnern uns ihrer dankbar.

Sie war es auch, die nach dem Krieg 1946 mit Herrn Pfarrer Gladischefski notdürftig die beschädigte Kapelle wieder herrichtete. Später wurde dann auch die Kapelle neu gestaltet und erweitert. Die Horchheimer evangelische Gemeinde hatte sich im Laufe der Jahre sehr vergrößert.
1962 war es also soweit, das Altenheim einzuweihen. Man hatte der Stadt und der Kirchenverwaltung eine Wirtschaftlichkeitsrechnung vorlegen müssen. Es durften auch der Kirchenkasse keine laufenden Aufwendungen aus dem Betrieb des Altenheims erwachsen. Rechtsträger war die evangelische Kirchengemeinde in Pfaffendorf. Die Leitung übernahm das Presbyterium der Pfaffendorfer Gemeinde. Anfangs betrugen die Zimmerpreise mit Vollpension 220,00 DM bis 360,00 DM im Monat. Der Betrag richtete sich nach der Größe der Einzel- und Doppelzimmer. Etwa die Hälfte der Heimbewohnerinnen und Heimbewohner waren Privatzahler, die andere Hälfte waren Sozialhilfeempfänger. Sie bekamen vom Heim ein monatliches Taschengeld von 20,00 DM. Es gab im Laufe der Zeit drei vollbeschäftigte Angestellte und ein bis drei halbtagesbeschäftigte Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Es halfen auch Konfirmandinnen im Heim mit.
Anfangs beherbergte das Heim 30 Bewohnerinnen und Bewohner. Um das Heim herum wurden auch schöne Blumen und Sträucher angepflanzt. Alle fühlten sich wohl. Als Schwester Anna das Amt der Gemeindeschwester aufgab, zog auch sie in das Heim und betreute ihre Mitbewohnerinnen und Mitbewohner. Es wurde viel vorgelesen, gesungen, und ich glaube, daß zu dieser Zeit eine gute Atmosphäre herrschte. Schwester Anna blieb etwa bis Anfang der achtziger Jahre im Altenheim und wurde dann wegen ihrer Krankheit nach Kaiserswerth zurückgerufen.
Später wurden auch die Doppelzimmer in Einzelzimmer umgewandelt. Dadurch erhöhten sich in geringem Maße die Preise.

Doch für das Altenheim änderten sich die Zeiten. Das Heim wurde den modernen Ansprüchen nicht mehr gerecht. Es gab zum Beispiel keine Pflegestation, die Treppen waren sehr schlecht und beschwerlich. Man konnte aber aus finanziellen Gründen keinen Lift einbauen lassen. Nachdem die Bezirksregierung in Koblenz nach einer Besichtigung vieles beanstandete, entschloß man sich im Presbyterium nach langen Debatten, das Heim 1985 zu schließen, schweren Herzens, war es doch einst mit viel Mühe errichtet und erhalten worden. Es war ja auch nicht einfach, nun für die alten Menschen eine neue Heimat zu finden. Doch mit Hilfe der Verwandten und der Gemeinde fanden alle Heimbewohnerinnen und Heimbewohner einen neuen Platz nach ihrem Wunsch.
Was sollte nun aus den leeren Gebäuden werden? Eine kurze Zeit gab es die Überlegung, ein Frauenhaus einzurichten. Dies fand aber beim Koblenzer Stadtrat keine Zustimmung.
Später interessierte sich das "Haus an der Christuskirche" für das ehemalige Altenheim. Im "Haus an der Christuskirche" sind in der Hauptsache psychisch Erkrankte untergebracht, die auf dem Weg sind, wieder in den normalen Alltag mit all seinen Anforderungen zurückzufinden. Nach dem Aufenthalt im Haupthaus des "Hauses an der Christuskirche" sollen die psychisch Gesundenden noch einige Zeit in einer Außenwohngruppe leben. Seit 1988 befindet sich nun im ehemaligen Altenheim eine solche Außenwohngruppe. So hat sich doch noch eine gute Lösung gefunden.
Das Heim, das einst ein Aufenthaltsort für alte Menschen war, ist jetzt eine Bleibe für überwiegend junge Menschen, die voller Hoffnung in ihre Zukunft schauen.

 

 

 

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