Das "Stille" der "Liebesthätigkeit" macht
sich gleich dadurch bemerkbar, daß es kaum Unterlagen über die Arbeit der
Frauen und mit den Frauen unserer Kirchengemeinde gibt. Trotzdem will ich
es wagen, aus dem Wenigen ein Bild zu zeichnen. Die kirchliche
Frauenarbeit baute ebenso wie die Kirchengemeinde auf bestehende
Bemühungen auf. Die Ursprünge sind also älter als 100 Jahre.
Der Bau der gewaltigen Großfestung Koblenz hat viele Menschen nach Koblenz
und die rechtsrheinischen Gemeinden gelockt, und nach einigen Jahren der
Verdienstmöglichkeit gerieten viele der Arbeiter und ihrer Familien in
Not. Das veranlaßte "edelmüthig" denkende Frauen und Jungfrauen beider
Konfessionen, sich zusammenzutun und gemäß dem Evangelium, "dieser Noth zu
steuern", indem sie durch Geldsammlungen und den Verkauf von "weiblichen
Arbeiten", worunter Handarbeiten zu verstehen sind, arme Familien
unterstützten.
Der Wunsch nach einem rein evangelischen Verein wuchs mit der Zahl der aus
Preußen zuziehenden Beamten. 1834 wurde der erste evangelische "Frauenhülfsverein"
in Koblenz gegründet, der in der Folgezeit auch durch allerhöchste
Unterstützung durch die Kaiserin Augusta übergreifend auf die rechte
Rheinseite erfolgreich tätig war.
1899, im Gründungsjahr unserer Gemeinde, schloß die Kaiserin Auguste
Viktoria die überall im Reich segensreich wirkenden Frauenvereine im "Evangelisch-Kirchlichen-Hülfsverein"
zusammen, und schon 1901 wurde in der jungen Gemeinde Pfaffendorf eine
Evangelische "Frauenhülfe" gegründet und mit einem Startkapital der
Koblenzer "Frauenhülfe" von 3000 Mark ausgestattet. Mit Sicherheit bestand
ein Frauenverein bereits in Ehrenbreitstein. Nach der Pensionierung des
Gatten zogen Herr und Frau Pfarrer D. Link nach Pfaffendorf und die schon
in der Koblenzer Frauenhilfe bewährte Frau Link übernahm die Leitung bzw.
Kassenführung bis 1911.
In den ersten Jahresberichten Anfang des Jahrhunderts sind sowohl
Frauenhilfe wie auch Frauenverein genannt, möglicherweise sind sie
identisch. Jedenfalls sorgten sie für einen Teil der Kosten für die
Gemeindeschwester. Sie unterstützten arme evangelische Familien, nahmen
sich aber auch ganz persönlich bedürftiger Menschen an.
Die Damen selber, unter ihrer Leitung aber auch Konfirmandinnen, sammelten
Geldspenden in der Gemeinde. Höhepunkte waren die Gemeindefeste zu
Weihnachten mit Bazar und einem "Grabbelsack", der zur Hebung der Stimmung
beitrug.
Es wurden neu angefertigte und gebrauchte Kleidungsstücke, Spielzeug,
Bücher und Lebensmittel gesammelt. Der Kirchenchor gab beispielsweise ein
gemeinnütziges Konzert, und durch großzügige Spenden von Gemeindegliedern
war es möglich, den Armen der Gemeinde zu helfen. Eine Dame aus Horchheim
vermachte dem Frauenverein eine Erbschaft von 500 Mark, womit eine
Stiftung ins Leben gerufen wurde.
Ebenso aktiv war der Frauenmissionsverein, der durch den Verkauf von
selbst hergestellten Handarbeiten beträchtliche Summen Geldes zusammen
brachte, die dann an die Innere und Äußere Mission gingen.
Ein Beispiel: 1911 wurde die Summe von 733 Mark aufgeteilt und floß an
verschiedene Missionsgesellschaften, außerdem sandte man Kisten mit
Sachspenden an die Seemannsmission.
Die Frauenvereine arbeiteten eng mit der Diakonie zusammen. Gemeinsam
konnte man auch Erholungsaufenthalte für arme, schwächliche Kinder
mitfinanzieren. Immer wieder wird über die Ferienkolonie in Nastätten
berichtet, aus der die Kinder gekräftigt heimkehrten. Sowohl in Friedens-
wie auch in den Kriegsjahren wurden sogar Kuraufenthalte für Kinder in den
Solbädern Bad Orb oder Bad Kreuznach ermöglicht, und eine ganz modern
scheinende Erholungsmöglichkeit wurde ebenfalls genutzt: Ferien auf dem
Bauernhof! Die Kinder, die zuhause bleiben mußten, erhielten Milchspenden.
Zwischen 1909 und 1911 mußte die Gemeinde die Gemeindeschwester entbehren:
Dies war eine Feuerprobe für den Frauenverein, die er glänzend bestand,
wie es anerkennend heißt.
Die von der Kaiserswerther Schwesternschaft entsandte Gemeindeschwester
war eng mit der Frauenarbeit verbunden. Über die neue Schwester Ottilie
Otto heißt es: "Sie führte die Arbeit ihrer Vorgängerin in der Armen- und
Krankenpflege fort, unterstützt durch die Frauenvereine, aber den
"Martaverein" konnte sie nicht mehr zum Leben erwecken." Der "Martaverein"
war offensichtlich eine gesellige Zusammenkunft junger Mädchen, und über
dessen Verlust klagt Pfarrer Lohmann in seinem Gemeindebericht von 1912.
Aber ansonsten wurde unter Anleitung von Schwester Ottilie, bald ersetzt
durch Schwester Johanne, enorm viel gestrickt in der Strickschule, es gab
in Horchheim einen neuen, sehr regen "Frauennähverein". Im Frauenverein
und erst recht im Frauenmissionsverein wurde ja eifrig gehandarbeitet.
Ob man in all diesen Frauenvereinen immer wieder die gleichen Damen antraf
oder ob man in Konkurrenz miteinander wetteiferte?
Die Arbeit des Frauenmissionsvereins, der sich zweimal monatlich traf,
wurde durch den Einfluß des Krieges, wie es heißt, gänzlich gelähmt. So
wandelte er sich schon 1914 aufgrund anderer Bedürfnisse vorübergehend in
die "Frauenversammlung für Kriegsarbeit", traf sich nun zweimal
wöchentlich und sandte Liebesgaben ins Feld.
Der Frauenverein und der Frauenmissionsverein unterhielten Kontakte mit
dem Waisenhaus in Wolf an der Mosel, wo man sich um dort untergebrachte
Ehrenbreitsteiner Kinder kümmerte und sie unterstützte.
Im Kriegsjahr 1916 wird erstaunlich viel Erfreuliches über die
Hilfstätigkeit der Frauenvereine berichtet: 1400 Mark für arme Familien,
700 Mark für die Kindererholung.
Nun "begehrte auch der Gustav-Adolf- Verein eine Pflegestätte in unserer
Gemeinde". Um einer Zersplitterung vorzubeugen, soll er dem Missionsverein
einverleibt werden, und so heißt es weiter im "Evangelischen Sonntagsblatt
für Coblenz": ".... dazu aber bedarf es einer noch regeren Teilnahme der
Frauen und Jungfrauen aller Stände, damit für all die wichtigen Zwecke
wirklich etwas Tüchtiges geleistet werden kann und, nicht zu vergessen,
damit der Verein noch seine andere schöne Aufgabe in erhöhtem Maße zu
erfüllen vermag, eine Pflegestätte echt evangelischen Gemeindegeistes zu
sein. Es war von jeher in jeder Vereinsstunde für die Mitglieder und den
leitenden Pfarrer eine große Freude, Beschauliches und Erbauliches
miteinander zu lesen und zu betrachten, über allgemein-kirchliche und
vaterländische Fragen oder über Gemeindeangelegenheiten zu sprechen und so
den Gesichtskreis zu weiten und das Herz zu erwärmen für das Große und
Gute, was die Vergangenheit uns geschenkt hat und was wir für die Zukunft
noch schaffen sollen im engeren und weiteren Kreise. Welch prächtige
Gelegenheit für den weiblichen Teil unserer Gemeinde, einander
näherzutreten in wachsendem Sichverstehen und Sichachten, in fröhlichem
Wettelfer bei gemeinsamer Arbeit!
Um nun allen, denen es ihre häuslichen Pflichten erlauben, zweimal im
Monat sich solch eine Stunde geistiger Erfrischung zu gönnen, die
Möglichkeit der Teilnahme zu geben, wird keine andere Anforderung an den
Geldbeutel gestellt, als 1 Mark Jahresbeitrag und ein kleines Opfer in die
Vereinsbüchse."
Zweimal im Monat sollte man sich im Gemeindesaal treffen, "jedes Mitglied
handarbeite nach Belieben zum Besten der Vereinszwecke", und dieser Aufruf
war so erfolgreich, daß es im kleinen Gemeindesaal zu eng wurde. Besser
als in diesem Aufruf im Jahre 1916 kann man den Geist und die Arbeitsweise
der Zeit nicht wiedergeben!
Im Inflationsjahr 1923, Schwester Anna ist schon "eifrig und fröhlich" bei
der Arbeit, konnte die Hilfe durch die Frauenvereine nicht in Zahlen
wiedergegeben werden wegen des sich ständig ändernden Geldwertes. Es gab
viel Not zu lindern; nun auch in den Kreisen derer, die früher die
Gebenden gewesen waren. 1924 wird wieder von einer Verwendung von
insgesamt 1971 Mark berichtet. Offensichtlich steht die Gemeinde nicht zu
schlecht da, denn 1927 wird über "lächerlich geringe Spenden bei
gleichzeitigem Wohlstand" geklagt und Paketspenden erwähnt, die nach
Amerika ausgewanderte, ehemalige Gemeindeglieder geschickt haben.
1932 war die Pfarrstelle vakant, und Schwester Anna erwies sich als eine
Gemeindemutter von aufopfernder Treue. Sie hielt tapfer all die
Frauenstunden und mit Hilfe der Frauen und Kinder konnte das Gemeindeleben
aufrecht erhalten werden. Der Frauenverein mußte seine Kräfte aufs
äußerste anspannen, um wenigstens die dringendsten Nöte lindern zu können,
dabei stand ihm der Missions- und Gustav-Adolf-Verein zur Seite, der ihm
einen Teil seiner Einnahmen überließ.
Nun, 1932, wird schon vom deutsch-protestantischen Gemeinschaftsgefühl
gesprochen, und kaum hat das Dritte Reich begonnen, werden der
Frauenverein sowie der Frauenmissions- und Gustav-Adolf-Verein aufgelöst.
Durch ein Sammlungs- und Unterstützungsverbot ist ihnen die Grundlage
ihrer Arbeit genommen. Zunächst werden die Vereine und ihre Gelder mit der
Frauenhilfe als "allein daseinsberechtigtem Frauenwerk im Dritten Reich"
verschmolzen, aber die findet sich alsbald im "Evangelischen Frauendienst"
wieder.
Hilfe leisten darf nur noch das "Winterhilfswerk". Die Evangelische
Reichsfrauenhilfe hatte dem Kirchenregiment gegenüber eine widersetzliche
Haltung gezeigt: Sie bestand auf ihrer Selbständigkeit. So wurden die
Frauenhilfen und Frauenvereine in den auf dem Boden der
Reichskirchenregierung stehenden Frauendienst überführt, sofern sie sich
nicht widersetzten, was sie anscheinend in Koblenz nicht taten, aber in
einigen Gemeinden im Kirchenkreis Koblenz, in Andernach beispielsweise.
Aus dieser Zeit ist mir nicht mehr bekannt geworden, als daß Schwester
Anna die Frauenstunden hielt, vielleicht mit Handarbeit oder
ausschließlich mit Bibelarbeit. In vielen Frauenstunden evangelischer
Gemeinden sollte nicht gehandarbeitet werden, um die Möglichkeit
konspirativer Gespräche zu unterbinden!
Nach dem Kriege gab es wieder eine Pfaffendorfer Frauenhilfe, allerdings
wurde sie 1962 aus dem Vereinsregister gelöscht. Wie sie tätig wurde,
darüber gibt es keine Unterlagen, aber daß Schwester Anna half, wo sie
konnte, oder Hilfe vermittelte, davon können Zeitzeugen noch berichten.
Und von schönen gemeinsamen Ausflügen wird heute noch geschwärmt! 1952 war
es Schwester Anna, die in Arenberg einen Frauenkreis gründen half, der
sich später der Rheinischen Frauenhilfe anschloß.
Über die Frauenarbeit der Gemeinde Pfaffendorf nach dem 2. Weltkrieg ist
schriftlich kaum etwas zu finden. Was sagt das aus?
Die Armenfürsorge ging schon im Dritten Reich an staatliche Stellen. Die
Bundesrepublik wurde erfreulicherweise ein moderner Sozialstaat. Selbst
eine Gemeindeschwester, wie man sie früher kannte mit Diakonissenhaube und
auf dem Fahrrad, gibt es schon lange nicht mehr, denn Rheinland-Pfalz war
eine Vorreiterin in Sachen Sozialstation!
Was tun die Frauen in unserer Gemeinde heute?
Da sind die Frauengesprächskreise in vielfältiger Form, viele bestehen
schon sehr lange. Es wird auch noch gebastelt oder gehandarbeitet, was
sehr gemeinschaftsfördernd ist. Meist aber handelt es sich inhaltlich um
Erwachsenenbildung. Fragen des Glaubens und des Lebens in christlicher
Verantwortung sind die Schwerpunkte. Wichtig ist den Frauen auch die
Standortbestimmung weiblicher Identität, wobei die Beschäftigung mit
feministischer Theologie eine Rolle spielt. Immer wieder unterstützen sie
Hilfsprojekte, von der Kindernothilfe bis zu SOLWODI.
Die Frauenhilfe in Arenberg ist ein Kreis sehr aufgeschlossener älterer
Damen, dem auch Frauen aus anderen Bezirken und der jüngeren Generation
angehören. Über die Vereinsstruktur der Frauenhilfe werden diakonische
Einrichtungen unterhalten wie Müttergenesungsheime u.a. Durch diese
Vernetzung wird die Aufmerksamkeit auch auf besondere Notsituationen von
Frauen gelenkt. Ein Beispiel: 1993 hat die Frauenhilfe mit der
Arbeitsgemeinschaft der Koblenzer Frauenverbände einen Protestmarsch durch
Koblenz gegen die Greueltaten in Bosnien organisiert, viele Frauen unserer
Gemeinde waren dabei. Pakete für Bedürfnisse von Frauen in
Gefangenenlagern wurden verschickt.
Sowohl die Frauen der Frauenhilfe wie auch all die anderen Frauen, die
sich in der Gemeinde treffen, sind diejenigen, die dem Ruf nach helfender
Beteiligung, seien es Gemeindefeste, Gottesdienste, Besuchsdienst etc.,
immer nachkommen. Im Presbyterium ist die Frauenquote kein Thema, Frauen
sind in unserer Gemeinde auf allen Ebenen anzutreffen.
Seit mehr als 10 Jahren feiern die Frauen auch den
Weltgebetstagsgottesdienst, inzwischen auch ganz eigenständig. Es sind
besonders interessant gestaltete, ökumenische Gottesdienste,
unterschiedlich in den einzelnen Bezirken.
Muß ich noch ausdrücklich erwähnen, daß die Gottesdienstbesucher
mehrheitlich Frauen sind? Und das war schon vor 100 Jahren so!
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