"Heute, am ersten Adventssonntag, dem
28. November 1948 sind wir in unserem Raum in der Horchheimer Kapelle
zusammengekommen, um den ersten Advent ein wenig festlich zu begehen.
Nachdem wir erst eifrig für unseren Gemeindenachmittag am 2. Advent
geprobt hatten, setzten wir uns an den mit Tannengrün geschmückten
Kaffeetisch. Jeder ließ sich seine drei Teilchen gut schmecken.
Schwester Anna war eine Stunde bei uns Gast. Den Abend verbrachten wir
mit Gesellschaftsspielen...."
Ja, das ist der Anfang aus dem Tagebuch unseres Mädchenkreises
Koblenz-Pfaffendorf vom November 1948.
Es war der 1. Adventssonntag, ein verregneter Tag, an dem ich mich mit
meiner Freundin, die ich aus
dem Konfirmandenunterricht kannte, zusammen auf den Weg nach Horchheim
zur Lutherkapelle machte. Ich freute mich schon sehr auf den
Mädchenkreis, zu dem uns Schwester Anna noch vor der Konfirmation im
Mai eingeladen hatte. Nun war es endlich so weit; ich war sehr
gespannt, welche anderen Mädchen wohl noch kommen würden.
Fräulein Leni Hermann, die unseren Mädchenkreis leitete, wartete schon
neugierig. Wir übten Lieder und eine kleine Scharade für die
gemeindliche Adventsfeier, die immer am 2. Advent im Heiligenhäuschen
bei Wendel in Pfaffendorf stattfand.
Das erste Treffen war sehr schön. Wir fünfzehn Mädchen hatten mit
Fräulein Leni Hermann viel Spaß. Ich freue mich schon sehr auf die
nächsten Treffen. Wir haben uns geeinigt, daß wir uns ab jetzt jeden
Freitag ab 6 Uhr abends treffen werden.
In der folgenden Zeit sahen wir uns regelmäßig in der Lutherkapelle.
Wir lasen gemeinsam Teile aus dem Lukasevangelium, sangen Lieder,
spielten Gesellschaftsspiele und freuten uns über den leider seltenen
Besuch von Schwester Anna, der Katechetin Fräulein Biermann oder Herrn
Pfarrer. Im Mai 1949 machten wir einen Ausflug durch das Laubachtal
über den Remstecken bis nach Winningen und zurück.
Es wäre noch viel zu erzählen über unseren Mädchenkreis, aber ich
möchte doch nicht versäumen zu erwähnen, daß eine der besonderen
Begebenheiten unseres Kreises die Tatsache ist, daß wir lange Zeit
nach und während des Zweiten Weltkrieges die erste Gruppe in der
kirchlichen Jugendarbeit darstellten. Aber um das genauer
darzustellen, werde ich nun eine Rückschau auf die ersten 50 Jahre
unserer Gemeinde halten.
Schon zu Beginn der Begründung unserer Kirchengemeinde hat Pfarrer
Lohmann es für wichtig erachtet, daß es in der Pfaffendorfer Gemeinde
einen regelmäßigen sonntäglichen Kindergottesdienst gab. Zusammen mit
Helferinnen wie Fräulein Lehrerin Happe hat Pfarrer Lohmann den
Kindergottesdienst geleitet. Da sich dieses Angebot großer Beliebtheit
bei den Kindern erfreute (es waren regelmäßig 70 bis 90 Kinder
anwesend), wurden die Kinder in vier Gruppen aufgeteilt. In den
Sommermonaten veranstaltete der Kindergottesdienst einen Ausflug,
ebenso gab es jeweils am 24. Dezember um 8.00 Uhr in der Frühe eine
große Weihnachtsfeier, an der bis zu 120 Kinder teilnahmen. In den
ersten zwanzig Jahren der Gemeinde war der Kindergottesdienst eine
feste Einrichtung. Selbst in der Zeit des Ersten Weltkrieges fand
diese Veranstaltung für Kinder im Grundschulalter fast regelmäßig
statt. Mitte der zwanziger Jahre erlebte der Kindergottesdienst jedoch
das erste Mal eine Veränderung. Mit der Einstellung der
Gemeindeschwester Anna Schulze wurde eine neue
Kindergottesdienstgruppe unter ihrer Leitung in Horchheim gegründet.
Die Zahl der Kindergottesdienstkinder verringerte sich dennoch stetig.
In den Jahren des Zweiten Weltkrieges fand in Pfaffendorf weiterhin
Kindergottesdienst statt, auch wenn die Veranstaltung nicht mehr
regelmäßig war. Nicht so kontinuierlich und beständig wie der
Kindergottesdienst war die weitere Arbeit mit den Jugendlichen in den
ersten 50 Jahren. Schon seit Beginn der Gemeinde achtete Pfarrer
Lohmann darauf, daß sich sowohl die weibliche als auch die männliche
Jugend in der Gemeinde etablierte. Viele der üblichen Vereine, die
sich um die Jahrhundertwende im Bereich der Evangelischen Jugend
gründeten, faßten auch in der Pfaffendorfer Gemeinde Fuß.
Zu Beginn der zwanziger Jahre wurde auf landes-kirchlicher Ebene in
Düsseldorf viel über Strukturen in der gemeindlichen Jugendarbeit
nachgedacht. So entstanden das Evangelische Jugendpfarramt und damit
auch die "Grundlinien für die Einrichtung und den Ausbau der evang. -
kirchlichen Jugendarbeit in der Rheinprovinz". Diese Grundlinien
zeigten zum ersten Mal genau auf, welches die Inhalte der kirchlichen
Jugendarbeit sein sollten. Folgende Schwerpunkte wurden in den
Grundlinien beschrieben: Jugendfürsorge, männliche Jugendpflege,
weibliche Jugendpflege, Kinderwohlfahrtspflege, Einrichtung von
Heimen, Mission an der kirchenfremden Jugend.
In unserer Kirchengemeinde fanden sich zum Teil diese Schwerpunkte in
der Arbeit mit Jugendlichen wieder. Zwischen den beiden Weltkriegen
gab es eine rege Arbeit in der männlichen und weiblichen Jugendpflege.
Sowohl in Pfaffendorf als auch in Horchheim trafen sich verschiedene
Jung-Mädchen- und auch Jung-Männer-Vereine für die "Pflege
deutsch-evangelischen Wesens in Ernst und Frohsinn". Die Jugendgruppen
wurden weiterhin nicht nur nach Mädchen und Jungen eingeteilt, sondern
auch nach Alter getrennt. Einerseits gab es die Altersgruppe der 14-
bis 17jährigen, andererseits gab es die Älteren vom achtzehnten
Lebensjahr an. Die verschiedenen Gruppen wurden durch den Pfarrer, die
Gemeindeschwestern oder ehrenamtliche junge Erwachsene geleitet. Außer
den kontinuierlichen Gruppenstunden fanden auch Fahrten bzw.
Wanderungen, Jugendandachten und Jugendgottesdienste anläßlich des
Reformationstages statt. Nicht außer acht lassen darf man die
Tatsache, daß die Gemeinde auch immer sehr um die
Kinderwohlfahrtspflege besorgt war. Jedes Jahr wurden Kinder im
Grundschulalter in den Sommermonaten in Ferienkolonien, z.B. nach Bad
Orb, geschickt. Dies fand unter finanzieller Hilfe der Gemeinde statt.
Ebenfalls hatte die Kinderwohlfahrtspflege der Gemeinde es sich zur
Aufgabe gemacht, bedürftigen Kindern aus evangelischen Familien
"Milchgroschen" zur Verfügung zu stellen. So sollte die Ernährung der
Kinder aus ärmeren Familien sichergestellt werden.
Ein starker Einschnitt in der Jugendarbeit sollte 1934 die
Unterzeichnung der Eingliederung der gesamten evangelischen
Jugendarbeit in die Hitlerjugend (HJ) bzw. in den Bund Deutscher Mädel
(BDM) sein. Hiermit wurde geregelt, daß die evangelische Gemeinde nur
noch an zwei festzulegenden Wochentagen ihre Jugendarbeit durchführen
durfte. Es waren nur noch zwei Sonntage im Monat für den
Gottesdienstbesuch frei. In der verbleibenden Zeit standen die
Jugendlichen der HJ bzw. dem BDM zur Verfügung. "Die HJ hält ihre
evangelischen Mitglieder dazu an, jeden Mittwoch abends von 8 bis 10
Uhr an den Jungburschenabenden teilzunehmen, der BDM hält in gleicher
Weise seine 14-bis 21jährigen Mitglieder an, die Jungmädchenabende an
jedem Freitagabend von 8 bis 10 Uhr zu besuchen." Den Jugendlichen im
Alter von 10 bis 21 Jahren wurde durch die Unterzeichnung empfohlen,
den jeweiligen Jugendorganisationen beizutreten.
Diese Unterzeichnung hatte zur Folge, daß es bis 1948 keine
evangelische Jugendarbeit in Pfaffendorf mehr gab. Einzige Ausnahme
war der weiterhin stattfindende Kindergottesdienst und der
Konfirmandenunterricht.
In den ersten 50 Jahren des Bestehens unserer Kirchengemeinde wurden
bei uns viele Mädchen und Jungen konfirmiert. Wöchentlich wurden die
Konfirmandinnen und Konfirmanden von dem jeweiligen Pfarrer
unterrichtet. Die Konfirmandenzeit wurde mit einem Festgottesdienst
eröffnet, in dem die Jugendlichen mit ihren Familien anwesend sein
sollten. Im ersten Jahr war der Unterricht jeweils eine Stunde in der
Woche. Im zweiten Jahr vor der Konfirmation, welche jeweils um die
Osterzeit stattfand, gingen die Jungen und Mädchen für zwei Stunden
zum Konfirmandenunterricht. Wer häufiger als drei mal im Unterricht
oder beim Gottesdienstbesuch fehlte, wurde nicht konfirmiert. Vor der
Konfirmation mußten die Jungen und Mädchen eine Konfirmandenprüfung
absolvieren, in der "die Kinder Zeugnis ablegen sollen von dem, was
sie aus Bibel, Katechismus, Gesangbuch und der näheren und weiteren
Kirchengeschichte sich angeeignet hatten". Nach der Konfirmation
wurden die Jugendlichen zur Christenlehre eingeladen. Dies war eher
eine Verpflichtung als eine freiwillige Einladung zur Jugendarbeit: "Daß
Du kommst, steht auch deshalb außer Frage, weil Du Dich nicht aus der
Reihe Deiner Ahnen herausgeben willst und wirst. Seit Jahrhunderten
haben Deine Vorfahren, deren Erbe und Testamentsvollstrecker Du heute
bist, sich an demselben Quell Kraft und Stärke geholt. Das, was ihnen
heilig war, ist es auch Dir." (Zitat aus dem Merkblatt der
Konfirmation 1935) Ja, das war die Vorgeschichte zu meinem
Mädchenkreis. Als ich mir das alles so durch den Kopf habe gehen
lassen, ist mir klar geworden, daß sich doch einiges seit der Gründung
der Gemeinde im Bereich der Jugendarbeit verändert hat. Aber mir ist
auch aufgefallen, daß es Gemeinsamkeiten gab. Besonders wurde
deutlich, daß die Jugendarbeit, so es sie gab, eine starke Verzahnung
mit der übrigen Gemeindearbeit aufwies.
Aber bevor ich mir mehr Gedanken über die Entwicklung der Jugendarbeit
in unserer Gemeinde mache, bin ich doch sehr gespannt darauf, wie es
nach uns, nach unserem Mädchenkreis weitergeht. Hier nun die nächsten
50 Jahre Jugendarbeit:
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Die Nachkriegszeit: Eine Zeit der
Veränderungen und des Neuanfangs. In diesen Jahren zogen viele
evangelische Familien nach Koblenz, so daß sich auch die Zahl der
Kinder und Jugendlichen vergrößerte. Schaut man sich einmal die Zahl
der Konfirmierten an (1950 wurden 26 Mädchen und Jungen konfirmiert,
1960 waren es 98 Jugendliche und 1970 sogar 134 Konfirmandinnen und
Konfirmanden), so wird deutlich, daß sich durch die größere Anzahl der
Jugendlichen auch die Angebote in der Jugendarbeit ändern mußten.
Bereits im Jahr 1954 gab es in unserer Gemeinde sieben Jungen- und
Mädchenkreise, eine Jungschargruppe sowie einen Singkreis für Kinder.
Da es zu dieser Zeit noch nicht in allen Ortsteilen der Gemeinde auch
eigene Räume gab, fanden viele Gruppen und Kreise in fremden
Räumlichkeiten, wie zum Beispiel dem Geräteraum der Katholischen
Kirche in Arenberg, statt.
Mitte der 60er Jahre war die Zahl der Kinder und Jugendlichen durch
den Zuzug vieler Soldatenfamilien so enorm gestiegen, daß sich das
Presbyterium zusammen mit dem Jugendausschuß Gedanken machte, wie ein
Konzept für die Jugendarbeit in der Kirchengemeinde aussehen könnte.
Eines der wichtigsten Ergebnisse war die Einrichtung einer
hauptamtlichen Stelle für die Jugendarbeit. Damit war für viele
zukünftige Jahre ein Wegweiser in der Jugendarbeit aufgezeigt. Durch
den Bau der Hoffnungskirche auf der Pfaffendorfer Höhe wurde auch die
Raumfrage für die Jugendarbeit geklärt. Unter dem Dach der Kirche
entstand der erste Jugendraum der Pfaffendorfer Gemeinde. Unter dem
Jugendleiter Siegfried Halbauer traf sich zu Beginn der 70er Jahre
außer den dreimal in der Woche stattfindenden Jugendgruppen und "Offene-Tür-Angeboten"
in der Hoffnungskirche auch eine Jugendgruppe in der Versöhnungskirche
in Arenberg. Auch zu dieser Zeit gab es schon einen VW -Bus, mit dem
der Arenberger Küster die Jugendlichen aus Immendorf, Niederberg,
Arzheim und Urbar zur Jugendgruppe am Donnerstag in die
Versöhnungskirche führ.
Offene Jugendarbeit oder doch eher eine missionarische, kommunikative
oder diakonische Ausrichtung, das war Ende der 70er Jahre die Frage,
mit der sich der Jugendausschuß unter Leitung von Pfarrer von
Bendemann beschäftigte. Dies war auch die Zeit, in der der Grundstein
für die Aus- und Fortbildung von Jugendlichen als Ehrenamtliche gelegt
worden ist. Es wurde sehr viel Wert darauf gelegt, daß Seminare sowohl
auf der Ebene der Gesamtgemeinde als auch des Kirchenkreises
stattfanden. Da es sich immer wieder als schwierig erwies, daß ein
Jugendleiter oder eine Jugendleiterin für alle drei Gemeindebezirke
zuständig war, gab es die Überlegung, ob die Gemeinde eine
Halbtageskraft für den Pfarrbezirk Nord einstellen sollte.
Nach dem Weggang des Jugendleiters Adolf Kröter wurde die Idee
entwickelt, drei ABM-Stellen für die Jugendarbeit einzurichten. Somit
wäre in jedem der Gemeindebezirke eine Person nur für die Arbeit mit
Jugendlichen zuständig. Es wurden drei Teilzeitkräfte für die
bezirkliche Jugendarbeit eingestellt. Leider mußte aber nach einiger
Zeit eingesehen werden, daß dieses Konzept aufgrund von zwei Tatsachen
nicht auf längere Zeit bestehen konnte: Zum einen wurden weitere
ABM-Maßnahmen nicht mehr vom Arbeitsamt genehmigt, zum anderen erwies
sich der stete Wechsel der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter für die
Jugendarbeit nicht als förderlich.
Die Jugendleiterstelle wurde wieder als ganze Stelle für alle drei
Bezirke ausgeschrieben, und Herr Peter Kalmann wurde zum 1. August
1981 als Jugendleiter eingestellt. In den Bezirken trafen sich
voneinander unabhängige Jugendgruppen: Im Bezirk Nord fünf
Jugendgruppen, davon zwei in Urbar, der Foto-Arbeitskreis und der
Disco-Arbeitskreis, im Bezirk Mitte gab es drei Jugendgruppen und im
Bezirk Süd fanden drei Jugendgruppen und eine Kindervorlesestunde
statt. Durch den Ausbau von Jugendräumen in der alten Schule in
Niederberg konnte die Jugendarbeit in der Gemeinde ausgeweitet werden.
Besonders wurden in diesen Räumen regelmäßig Discoabende veranstaltet,
die sehr stark besucht waren. Viele der Jugendgruppen wurden durch
ehrenamtliche Jugendliche geleitet, die wiederum vom Jugendleiter
durch regelmäßige Fortbildungen geschult wurden.
Bei einem Blick auf andere Aktivitäten im Bereich von Kindern und
Jugend darf nicht vergessen werden, daß es in den gesamten Jahren in
jedem der drei Bezirke ganz regelmäßigen Kindergottesdienst gab.
Dieser fand meistens am Sonntagmorgen parallel oder anschließend an
den Gottesdienst in Arenberg, Urbar, in der Hoffnungskirche und in
Pfaffendorf statt. Viele ehrenamtliche Jugendliche und auch Erwachsene
waren sehr aktiv in dieser Arbeit; es gab sogar Wochenendfreizeiten
für die Ehrenamtlichen mit dem jeweiligen Pfarrer.
Regelmäßige Highlights der Jugendarbeit waren natürlich die jährlich
stattfindenden Jugendfreizeiten in den Sommerferien. Viele Jugendliche
sind nach einer gelungenen Freizeit in die Jugendarbeit eingestiegen.
Ein sehr wichtiger Punkt waren die Fahrten zu den Kirchentagen. Die
Jugendlichen nahmen an diesen Großveranstaltungen nicht nur als
Besucherinnen und Besucher teil, sondern waren auch auf dem Markt der
Möglichkeiten mit einem Stand aktiv. Hervorzuheben sind dabei die
Teilnehmerinnen und Teilnehmer der verschiedenen Gottesdienstgruppen
unter der Leitung von Pfarrer Ulf Rademacher. Diese Gruppen waren in
der Mitgestaltung vieler Gottesdienste , besonders der
Heilig-Abend-Gottesdienste in Pfaffendorf seit Mitte der 70er Jahre,
engagiert. Nicht wegzudenken ist auch die Arbeit des Pfadfinderstammes
"Ulrich von Hutten" an der Hoffnungskirche.
Durch die Neubesetzung der Jugendleiterstelle von Peter Kalman durch
Monika Schuh im Jahr 1988 haben sich besonders zwei Eckpunkte
herausgestellt: Die Veränderung der Räumlichkeiten für die
Jugendarbeit und eine neue Akzentuierung der Arbeit mit Kindern im
Grundschulalter. Es fanden regelmäßige Kinderfreizeiten über die
Pfingstfeiertage statt, und an mehreren Stellen wurden Kindergruppen
gegründet.
Die Alte Schule in Niederberg konnte nicht mehr insgesamt für die
Jugendarbeit genutzt werden, es stand nur noch ein Raum zur Verfügung.
Ebenfalls wurde die bis Anfang der 90er Jahre genutzte Kapelle auf dem
Asterstein wegen Baufälligkeit von der Stadt für die Jugendarbeit
geschlossen.
Da sich die Zahl der Konfirmandinnen und Konfirmanden und damit der
evangelischen Kinder und Jugendlichen in den 90er Jahren durch die
Reduzierung der Bundeswehr und durch Kirchenaustritte verringert
hatte, wurde nach dem Weggang von Monika Schuh im Jugendausschuß unter
der Leitung von Pfarrerin Gabriele Wölk darüber nachgedacht, welche
Erwartungen an eine neue Jugendleiterin oder einen Jugendleiter
vorhanden waren. In der Zeit der Konzeptentwicklung der Jugendarbeit
wurde der Student Christof Wölk als Honorarkraft eingestellt. Er
leitete die Mitarbeiterfortbildung für neue Konfirmanden auf dem
Asterstein und im Raum in der Angelbergstraße, war für die Verknüpfung
der Konfirmandenarbeit und der Jugendarbeit zuständig und organisierte
Segelfreizeiten in den Niederlanden.
Durch die Mitarbeit der gewonnenen Jugendlichen aus den
Mitarbeiterinnen- und Mitarbeiterschulungen wurde ab 1995 der Raum in
der Hoffnungskirche renoviert. Damit wurde ein Grundstock für die neu
begonnene Jugendarbeit gelegt. Der Jugendausschuß stellte sich die
Aufgabe, eine Bestandsaufnahme der Bedürfnisse und der Angebote für
Kinder und Jugendliche zu erarbeiten. Es wurde ersichtlich, daß die
Arbeit mit Jugendlichen bezirks-übergreifend im Jugendraum an der
Hoffungskirche stattfinden sollte. Bei der Arbeit mit den Kindern
sollte darauf geachtet werden, daß dezentrale Veranstaltungen in
Ortsteilen wie Niederberg, Urbar oder auf dem Asterstein angeboten
werden, damit die Kinder vor Ort ihre Gruppe haben. Die Kindergruppen
werden bis heute durch ehrenamtliche Jugendliche und Erwachsene
geleitet. 1994 wurde die Diakonin Petra Seidel als neue Jugendleiterin
eingestellt, die die Ehrenamtlichen unterstützt und fortbildet.
In jedem Jahr wird sowohl eine Kinder- als auch eine Jugendfreizeit
angeboten. Ein wichtiger Bestandteil der Jugendarbeit ist auch
weiterhin die Verzahnung der Konfirmanden- mit der Jugendarbeit. Die
Konfirmandinnen und Konfirmanden können so schon während ihrer
Unterrichtszeit einen Einblick in die Jugendarbeit erhalten. Durch
regelmäßige Mitarbeiterinnen- und Mitarbeiterschulungen sowohl vor Ort
als auch auf Wochenenden oder Freizeiten haben die Ehrenamtlichen die
Chance, einen Jugendgruppenleiterausweis zu bekommen.
Ein neues Standbein der Jugendarbeit ist die Projektarbeit. Gerade im
Bereich der Arbeit mit Kindern werden durch medienpädagogische
Projekte wie die Kinder-Film-Tage auf dem Asterstein neue Wege
gegangen.
Bei den Kindergottesdiensten ist in den letzten fünf Jahren eine große
Veränderung eingetreten. Durch Pfarrerin Gabriele Wölk ist der
monatliche, dreistündige Kindergottesdienst am Samstagmorgen
ausprobiert worden. Es hat sich in der Probephase gezeigt, daß diese
Form des Kindergottesdienstes großen Anklang sowohl bei den Kindern
als auch bei den Mitwirkenden fand. So hat sich dieses Angebot auch in
den beiden anderen Bezirken durchgesetzt. Es ist erstaunlich, was sich
so in fast 50 Jahren nach unserer Mädchengruppe in der Jugendarbeit
verändert hat. Die Gemeinde ist gewachsen, es sind neue Räumlichkeiten
dazu gekommen, und nun gibt es sogar eine hauptamtliche Stelle für die
Arbeit mit Kindern und Jugendlichen. Jugendliche spielen andere Spiele
und hören bzw. singen andere Lieder. Aber trotzdem ist es doch auch so
etwas wie ein Wunder, daß sich immer wieder Jugendliche hier in der
Kirchengemeinde zu Hause fühlen, daß ihnen die Jugendarbeit ein
wichtiges Anliegen ist. Dies ist sicherlich eine wichtige
Voraussetzung dafür, daß Jugendarbeit immer ein Teil unserer
Kirchengemeinde sein wird.
Vielleicht werdet ja auch Ihr derzeitigen Jugendlichen in der Gemeinde
mal die Chance haben wie ich, 50 Jahre in die Vergangenheit und 50
Jahre in die Zukunft zu blicken.
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zum Inhaltsverzeichnis der
Festschrift
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