1899 - 1999
Festschrift der Evangelischen Kirchengemeinde Koblenz-Pfaffendorf aus Anlaß des 100. Jahrestages ihrer Gründung zum 1. Oktober 1899

 

Jugendarbeit in den 100 Jahren in unserer Kirchengemeinde
von Petra Seidel

 

"Heute, am ersten Adventssonntag, dem 28. November 1948 sind wir in unserem Raum in der Horchheimer Kapelle zusammengekommen, um den ersten Advent ein wenig festlich zu begehen. Nachdem wir erst eifrig für unseren Gemeindenachmittag am 2. Advent geprobt hatten, setzten wir uns an den mit Tannengrün geschmückten Kaffeetisch. Jeder ließ sich seine drei Teilchen gut schmecken. Schwester Anna war eine Stunde bei uns Gast. Den Abend verbrachten wir mit Gesellschaftsspielen...."
Ja, das ist der Anfang aus dem Tagebuch unseres Mädchenkreises Koblenz-Pfaffendorf vom November 1948.

Es war der 1. Adventssonntag, ein verregneter Tag, an dem ich mich mit meiner Freundin, die ich aus
dem Konfirmandenunterricht kannte, zusammen auf den Weg nach Horchheim zur Lutherkapelle machte. Ich freute mich schon sehr auf den Mädchenkreis, zu dem uns Schwester Anna noch vor der Konfirmation im Mai eingeladen hatte. Nun war es endlich so weit; ich war sehr gespannt, welche anderen Mädchen wohl noch kommen würden.
Fräulein Leni Hermann, die unseren Mädchenkreis leitete, wartete schon neugierig. Wir übten Lieder und eine kleine Scharade für die gemeindliche Adventsfeier, die immer am 2. Advent im Heiligenhäuschen bei Wendel in Pfaffendorf stattfand.
Das erste Treffen war sehr schön. Wir fünfzehn Mädchen hatten mit Fräulein Leni Hermann viel Spaß. Ich freue mich schon sehr auf die nächsten Treffen. Wir haben uns geeinigt, daß wir uns ab jetzt jeden Freitag ab 6 Uhr abends treffen werden.
In der folgenden Zeit sahen wir uns regelmäßig in der Lutherkapelle. Wir lasen gemeinsam Teile aus dem Lukasevangelium, sangen Lieder, spielten Gesellschaftsspiele und freuten uns über den leider seltenen Besuch von Schwester Anna, der Katechetin Fräulein Biermann oder Herrn Pfarrer. Im Mai 1949 machten wir einen Ausflug durch das Laubachtal über den Remstecken bis nach Winningen und zurück.
Es wäre noch viel zu erzählen über unseren Mädchenkreis, aber ich möchte doch nicht versäumen zu erwähnen, daß eine der besonderen Begebenheiten unseres Kreises die Tatsache ist, daß wir lange Zeit nach und während des Zweiten Weltkrieges die erste Gruppe in der kirchlichen Jugendarbeit darstellten. Aber um das genauer darzustellen, werde ich nun eine Rückschau auf die ersten 50 Jahre unserer Gemeinde halten.

Schon zu Beginn der Begründung unserer Kirchengemeinde hat Pfarrer Lohmann es für wichtig erachtet, daß es in der Pfaffendorfer Gemeinde einen regelmäßigen sonntäglichen Kindergottesdienst gab. Zusammen mit Helferinnen wie Fräulein Lehrerin Happe hat Pfarrer Lohmann den Kindergottesdienst geleitet. Da sich dieses Angebot großer Beliebtheit bei den Kindern erfreute (es waren regelmäßig 70 bis 90 Kinder anwesend), wurden die Kinder in vier Gruppen aufgeteilt. In den Sommermonaten veranstaltete der Kindergottesdienst einen Ausflug, ebenso gab es jeweils am 24. Dezember um 8.00 Uhr in der Frühe eine große Weihnachtsfeier, an der bis zu 120 Kinder teilnahmen. In den ersten zwanzig Jahren der Gemeinde war der Kindergottesdienst eine feste Einrichtung. Selbst in der Zeit des Ersten Weltkrieges fand diese Veranstaltung für Kinder im Grundschulalter fast regelmäßig statt. Mitte der zwanziger Jahre erlebte der Kindergottesdienst jedoch das erste Mal eine Veränderung. Mit der Einstellung der Gemeindeschwester Anna Schulze wurde eine neue Kindergottesdienstgruppe unter ihrer Leitung in Horchheim gegründet. Die Zahl der Kindergottesdienstkinder verringerte sich dennoch stetig. In den Jahren des Zweiten Weltkrieges fand in Pfaffendorf weiterhin Kindergottesdienst statt, auch wenn die Veranstaltung nicht mehr regelmäßig war. Nicht so kontinuierlich und beständig wie der Kindergottesdienst war die weitere Arbeit mit den Jugendlichen in den ersten 50 Jahren. Schon seit Beginn der Gemeinde achtete Pfarrer Lohmann darauf, daß sich sowohl die weibliche als auch die männliche Jugend in der Gemeinde etablierte. Viele der üblichen Vereine, die sich um die Jahrhundertwende im Bereich der Evangelischen Jugend gründeten, faßten auch in der Pfaffendorfer Gemeinde Fuß.
Zu Beginn der zwanziger Jahre wurde auf landes-kirchlicher Ebene in Düsseldorf viel über Strukturen in der gemeindlichen Jugendarbeit nachgedacht. So entstanden das Evangelische Jugendpfarramt und damit auch die "Grundlinien für die Einrichtung und den Ausbau der evang. - kirchlichen Jugendarbeit in der Rheinprovinz". Diese Grundlinien zeigten zum ersten Mal genau auf, welches die Inhalte der kirchlichen Jugendarbeit sein sollten. Folgende Schwerpunkte wurden in den Grundlinien beschrieben: Jugendfürsorge, männliche Jugendpflege, weibliche Jugendpflege, Kinderwohlfahrtspflege, Einrichtung von Heimen, Mission an der kirchenfremden Jugend.
In unserer Kirchengemeinde fanden sich zum Teil diese Schwerpunkte in der Arbeit mit Jugendlichen wieder. Zwischen den beiden Weltkriegen gab es eine rege Arbeit in der männlichen und weiblichen Jugendpflege. Sowohl in Pfaffendorf als auch in Horchheim trafen sich verschiedene Jung-Mädchen- und auch Jung-Männer-Vereine für die "Pflege deutsch-evangelischen Wesens in Ernst und Frohsinn". Die Jugendgruppen wurden weiterhin nicht nur nach Mädchen und Jungen eingeteilt, sondern auch nach Alter getrennt. Einerseits gab es die Altersgruppe der 14- bis 17jährigen, andererseits gab es die Älteren vom achtzehnten Lebensjahr an. Die verschiedenen Gruppen wurden durch den Pfarrer, die Gemeindeschwestern oder ehrenamtliche junge Erwachsene geleitet. Außer den kontinuierlichen Gruppenstunden fanden auch Fahrten bzw. Wanderungen, Jugendandachten und Jugendgottesdienste anläßlich des Reformationstages statt. Nicht außer acht lassen darf man die Tatsache, daß die Gemeinde auch immer sehr um die Kinderwohlfahrtspflege besorgt war. Jedes Jahr wurden Kinder im Grundschulalter in den Sommermonaten in Ferienkolonien, z.B. nach Bad Orb, geschickt. Dies fand unter finanzieller Hilfe der Gemeinde statt. Ebenfalls hatte die Kinderwohlfahrtspflege der Gemeinde es sich zur Aufgabe gemacht, bedürftigen Kindern aus evangelischen Familien "Milchgroschen" zur Verfügung zu stellen. So sollte die Ernährung der Kinder aus ärmeren Familien sichergestellt werden.

Ein starker Einschnitt in der Jugendarbeit sollte 1934 die Unterzeichnung der Eingliederung der gesamten evangelischen Jugendarbeit in die Hitlerjugend (HJ) bzw. in den Bund Deutscher Mädel (BDM) sein. Hiermit wurde geregelt, daß die evangelische Gemeinde nur noch an zwei festzulegenden Wochentagen ihre Jugendarbeit durchführen durfte. Es waren nur noch zwei Sonntage im Monat für den Gottesdienstbesuch frei. In der verbleibenden Zeit standen die Jugendlichen der HJ bzw. dem BDM zur Verfügung. "Die HJ hält ihre evangelischen Mitglieder dazu an, jeden Mittwoch abends von 8 bis 10 Uhr an den Jungburschenabenden teilzunehmen, der BDM hält in gleicher Weise seine 14-bis 21jährigen Mitglieder an, die Jungmädchenabende an jedem Freitagabend von 8 bis 10 Uhr zu besuchen." Den Jugendlichen im Alter von 10 bis 21 Jahren wurde durch die Unterzeichnung empfohlen, den jeweiligen Jugendorganisationen beizutreten.
Diese Unterzeichnung hatte zur Folge, daß es bis 1948 keine evangelische Jugendarbeit in Pfaffendorf mehr gab. Einzige Ausnahme war der weiterhin stattfindende Kindergottesdienst und der Konfirmandenunterricht.

In den ersten 50 Jahren des Bestehens unserer Kirchengemeinde wurden bei uns viele Mädchen und Jungen konfirmiert. Wöchentlich wurden die Konfirmandinnen und Konfirmanden von dem jeweiligen Pfarrer unterrichtet. Die Konfirmandenzeit wurde mit einem Festgottesdienst eröffnet, in dem die Jugendlichen mit ihren Familien anwesend sein sollten. Im ersten Jahr war der Unterricht jeweils eine Stunde in der Woche. Im zweiten Jahr vor der Konfirmation, welche jeweils um die Osterzeit stattfand, gingen die Jungen und Mädchen für zwei Stunden zum Konfirmandenunterricht. Wer häufiger als drei mal im Unterricht oder beim Gottesdienstbesuch fehlte, wurde nicht konfirmiert. Vor der Konfirmation mußten die Jungen und Mädchen eine Konfirmandenprüfung absolvieren, in der "die Kinder Zeugnis ablegen sollen von dem, was sie aus Bibel, Katechismus, Gesangbuch und der näheren und weiteren Kirchengeschichte sich angeeignet hatten". Nach der Konfirmation wurden die Jugendlichen zur Christenlehre eingeladen. Dies war eher eine Verpflichtung als eine freiwillige Einladung zur Jugendarbeit: "Daß Du kommst, steht auch deshalb außer Frage, weil Du Dich nicht aus der Reihe Deiner Ahnen herausgeben willst und wirst. Seit Jahrhunderten haben Deine Vorfahren, deren Erbe und Testamentsvollstrecker Du heute bist, sich an demselben Quell Kraft und Stärke geholt. Das, was ihnen heilig war, ist es auch Dir." (Zitat aus dem Merkblatt der Konfirmation 1935) Ja, das war die Vorgeschichte zu meinem Mädchenkreis. Als ich mir das alles so durch den Kopf habe gehen lassen, ist mir klar geworden, daß sich doch einiges seit der Gründung der Gemeinde im Bereich der Jugendarbeit verändert hat. Aber mir ist auch aufgefallen, daß es Gemeinsamkeiten gab. Besonders wurde deutlich, daß die Jugendarbeit, so es sie gab, eine starke Verzahnung mit der übrigen Gemeindearbeit aufwies.

Aber bevor ich mir mehr Gedanken über die Entwicklung der Jugendarbeit in unserer Gemeinde mache, bin ich doch sehr gespannt darauf, wie es nach uns, nach unserem Mädchenkreis weitergeht. Hier nun die nächsten 50 Jahre Jugendarbeit:
 
Die Nachkriegszeit: Eine Zeit der Veränderungen und des Neuanfangs. In diesen Jahren zogen viele evangelische Familien nach Koblenz, so daß sich auch die Zahl der Kinder und Jugendlichen vergrößerte. Schaut man sich einmal die Zahl der Konfirmierten an (1950 wurden 26 Mädchen und Jungen konfirmiert, 1960 waren es 98 Jugendliche und 1970 sogar 134 Konfirmandinnen und Konfirmanden), so wird deutlich, daß sich durch die größere Anzahl der Jugendlichen auch die Angebote in der Jugendarbeit ändern mußten. Bereits im Jahr 1954 gab es in unserer Gemeinde sieben Jungen- und Mädchenkreise, eine Jungschargruppe sowie einen Singkreis für Kinder. Da es zu dieser Zeit noch nicht in allen Ortsteilen der Gemeinde auch eigene Räume gab, fanden viele Gruppen und Kreise in fremden Räumlichkeiten, wie zum Beispiel dem Geräteraum der Katholischen Kirche in Arenberg, statt.

Mitte der 60er Jahre war die Zahl der Kinder und Jugendlichen durch den Zuzug vieler Soldatenfamilien so enorm gestiegen, daß sich das Presbyterium zusammen mit dem Jugendausschuß Gedanken machte, wie ein Konzept für die Jugendarbeit in der Kirchengemeinde aussehen könnte. Eines der wichtigsten Ergebnisse war die Einrichtung einer hauptamtlichen Stelle für die Jugendarbeit. Damit war für viele zukünftige Jahre ein Wegweiser in der Jugendarbeit aufgezeigt. Durch den Bau der Hoffnungskirche auf der Pfaffendorfer Höhe wurde auch die Raumfrage für die Jugendarbeit geklärt. Unter dem Dach der Kirche entstand der erste Jugendraum der Pfaffendorfer Gemeinde. Unter dem Jugendleiter Siegfried Halbauer traf sich zu Beginn der 70er Jahre außer den dreimal in der Woche stattfindenden Jugendgruppen und "Offene-Tür-Angeboten" in der Hoffnungskirche auch eine Jugendgruppe in der Versöhnungskirche in Arenberg. Auch zu dieser Zeit gab es schon einen VW -Bus, mit dem der Arenberger Küster die Jugendlichen aus Immendorf, Niederberg, Arzheim und Urbar zur Jugendgruppe am Donnerstag in die Versöhnungskirche führ.
Offene Jugendarbeit oder doch eher eine missionarische, kommunikative oder diakonische Ausrichtung, das war Ende der 70er Jahre die Frage, mit der sich der Jugendausschuß unter Leitung von Pfarrer von Bendemann beschäftigte. Dies war auch die Zeit, in der der Grundstein für die Aus- und Fortbildung von Jugendlichen als Ehrenamtliche gelegt worden ist. Es wurde sehr viel Wert darauf gelegt, daß Seminare sowohl auf der Ebene der Gesamtgemeinde als auch des Kirchenkreises stattfanden. Da es sich immer wieder als schwierig erwies, daß ein Jugendleiter oder eine Jugendleiterin für alle drei Gemeindebezirke zuständig war, gab es die Überlegung, ob die Gemeinde eine Halbtageskraft für den Pfarrbezirk Nord einstellen sollte.
Nach dem Weggang des Jugendleiters Adolf Kröter wurde die Idee entwickelt, drei ABM-Stellen für die Jugendarbeit einzurichten. Somit wäre in jedem der Gemeindebezirke eine Person nur für die Arbeit mit Jugendlichen zuständig. Es wurden drei Teilzeitkräfte für die bezirkliche Jugendarbeit eingestellt. Leider mußte aber nach einiger Zeit eingesehen werden, daß dieses Konzept aufgrund von zwei Tatsachen nicht auf längere Zeit bestehen konnte: Zum einen wurden weitere ABM-Maßnahmen nicht mehr vom Arbeitsamt genehmigt, zum anderen erwies sich der stete Wechsel der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter für die Jugendarbeit nicht als förderlich.
Die Jugendleiterstelle wurde wieder als ganze Stelle für alle drei Bezirke ausgeschrieben, und Herr Peter Kalmann wurde zum 1. August 1981 als Jugendleiter eingestellt. In den Bezirken trafen sich voneinander unabhängige Jugendgruppen: Im Bezirk Nord fünf Jugendgruppen, davon zwei in Urbar, der Foto-Arbeitskreis und der Disco-Arbeitskreis, im Bezirk Mitte gab es drei Jugendgruppen und im Bezirk Süd fanden drei Jugendgruppen und eine Kindervorlesestunde statt. Durch den Ausbau von Jugendräumen in der alten Schule in Niederberg konnte die Jugendarbeit in der Gemeinde ausgeweitet werden. Besonders wurden in diesen Räumen regelmäßig Discoabende veranstaltet, die sehr stark besucht waren. Viele der Jugendgruppen wurden durch ehrenamtliche Jugendliche geleitet, die wiederum vom Jugendleiter durch regelmäßige Fortbildungen geschult wurden.

Bei einem Blick auf andere Aktivitäten im Bereich von Kindern und Jugend darf nicht vergessen werden, daß es in den gesamten Jahren in jedem der drei Bezirke ganz regelmäßigen Kindergottesdienst gab. Dieser fand meistens am Sonntagmorgen parallel oder anschließend an den Gottesdienst in Arenberg, Urbar, in der Hoffnungskirche und in Pfaffendorf statt. Viele ehrenamtliche Jugendliche und auch Erwachsene waren sehr aktiv in dieser Arbeit; es gab sogar Wochenendfreizeiten für die Ehrenamtlichen mit dem jeweiligen Pfarrer.
Regelmäßige Highlights der Jugendarbeit waren natürlich die jährlich stattfindenden Jugendfreizeiten in den Sommerferien. Viele Jugendliche sind nach einer gelungenen Freizeit in die Jugendarbeit eingestiegen.
Ein sehr wichtiger Punkt waren die Fahrten zu den Kirchentagen. Die Jugendlichen nahmen an diesen Großveranstaltungen nicht nur als Besucherinnen und Besucher teil, sondern waren auch auf dem Markt der Möglichkeiten mit einem Stand aktiv. Hervorzuheben sind dabei die Teilnehmerinnen und Teilnehmer der verschiedenen Gottesdienstgruppen unter der Leitung von Pfarrer Ulf Rademacher. Diese Gruppen waren in der Mitgestaltung vieler Gottesdienste , besonders der Heilig-Abend-Gottesdienste in Pfaffendorf seit Mitte der 70er Jahre, engagiert. Nicht wegzudenken ist auch die Arbeit des Pfadfinderstammes "Ulrich von Hutten" an der Hoffnungskirche.

Durch die Neubesetzung der Jugendleiterstelle von Peter Kalman durch Monika Schuh im Jahr 1988 haben sich besonders zwei Eckpunkte herausgestellt: Die Veränderung der Räumlichkeiten für die Jugendarbeit und eine neue Akzentuierung der Arbeit mit Kindern im Grundschulalter. Es fanden regelmäßige Kinderfreizeiten über die Pfingstfeiertage statt, und an mehreren Stellen wurden Kindergruppen gegründet.
Die Alte Schule in Niederberg konnte nicht mehr insgesamt für die Jugendarbeit genutzt werden, es stand nur noch ein Raum zur Verfügung. Ebenfalls wurde die bis Anfang der 90er Jahre genutzte Kapelle auf dem Asterstein wegen Baufälligkeit von der Stadt für die Jugendarbeit geschlossen.
Da sich die Zahl der Konfirmandinnen und Konfirmanden und damit der evangelischen Kinder und Jugendlichen in den 90er Jahren durch die Reduzierung der Bundeswehr und durch Kirchenaustritte verringert hatte, wurde nach dem Weggang von Monika Schuh im Jugendausschuß unter der Leitung von Pfarrerin Gabriele Wölk darüber nachgedacht, welche Erwartungen an eine neue Jugendleiterin oder einen Jugendleiter vorhanden waren. In der Zeit der Konzeptentwicklung der Jugendarbeit wurde der Student Christof Wölk als Honorarkraft eingestellt. Er leitete die Mitarbeiterfortbildung für neue Konfirmanden auf dem Asterstein und im Raum in der Angelbergstraße, war für die Verknüpfung der Konfirmandenarbeit und der Jugendarbeit zuständig und organisierte Segelfreizeiten in den Niederlanden.
Durch die Mitarbeit der gewonnenen Jugendlichen aus den Mitarbeiterinnen- und Mitarbeiterschulungen wurde ab 1995 der Raum in der Hoffnungskirche renoviert. Damit wurde ein Grundstock für die neu begonnene Jugendarbeit gelegt. Der Jugendausschuß stellte sich die Aufgabe, eine Bestandsaufnahme der Bedürfnisse und der Angebote für Kinder und Jugendliche zu erarbeiten. Es wurde ersichtlich, daß die Arbeit mit Jugendlichen bezirks-übergreifend im Jugendraum an der Hoffungskirche stattfinden sollte. Bei der Arbeit mit den Kindern sollte darauf geachtet werden, daß dezentrale Veranstaltungen in Ortsteilen wie Niederberg, Urbar oder auf dem Asterstein angeboten werden, damit die Kinder vor Ort ihre Gruppe haben. Die Kindergruppen werden bis heute durch ehrenamtliche Jugendliche und Erwachsene geleitet. 1994 wurde die Diakonin Petra Seidel als neue Jugendleiterin eingestellt, die die Ehrenamtlichen unterstützt und fortbildet.
In jedem Jahr wird sowohl eine Kinder- als auch eine Jugendfreizeit angeboten. Ein wichtiger Bestandteil der Jugendarbeit ist auch weiterhin die Verzahnung der Konfirmanden- mit der Jugendarbeit. Die Konfirmandinnen und Konfirmanden können so schon während ihrer Unterrichtszeit einen Einblick in die Jugendarbeit erhalten. Durch regelmäßige Mitarbeiterinnen- und Mitarbeiterschulungen sowohl vor Ort als auch auf Wochenenden oder Freizeiten haben die Ehrenamtlichen die Chance, einen Jugendgruppenleiterausweis zu bekommen.

Ein neues Standbein der Jugendarbeit ist die Projektarbeit. Gerade im Bereich der Arbeit mit Kindern werden durch medienpädagogische Projekte wie die Kinder-Film-Tage auf dem Asterstein neue Wege gegangen.
Bei den Kindergottesdiensten ist in den letzten fünf Jahren eine große Veränderung eingetreten. Durch Pfarrerin Gabriele Wölk ist der monatliche, dreistündige Kindergottesdienst am Samstagmorgen ausprobiert worden. Es hat sich in der Probephase gezeigt, daß diese Form des Kindergottesdienstes großen Anklang sowohl bei den Kindern als auch bei den Mitwirkenden fand. So hat sich dieses Angebot auch in den beiden anderen Bezirken durchgesetzt. Es ist erstaunlich, was sich so in fast 50 Jahren nach unserer Mädchengruppe in der Jugendarbeit verändert hat. Die Gemeinde ist gewachsen, es sind neue Räumlichkeiten dazu gekommen, und nun gibt es sogar eine hauptamtliche Stelle für die Arbeit mit Kindern und Jugendlichen. Jugendliche spielen andere Spiele und hören bzw. singen andere Lieder. Aber trotzdem ist es doch auch so etwas wie ein Wunder, daß sich immer wieder Jugendliche hier in der Kirchengemeinde zu Hause fühlen, daß ihnen die Jugendarbeit ein wichtiges Anliegen ist. Dies ist sicherlich eine wichtige Voraussetzung dafür, daß Jugendarbeit immer ein Teil unserer Kirchengemeinde sein wird.
Vielleicht werdet ja auch Ihr derzeitigen Jugendlichen in der Gemeinde mal die Chance haben wie ich, 50 Jahre in die Vergangenheit und 50 Jahre in die Zukunft zu blicken.
 
 

 

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