1899 - 1999
Festschrift der Evangelischen Kirchengemeinde Koblenz-Pfaffendorf aus Anlaß des 100. Jahrestages ihrer Gründung zum 1. Oktober 1899

 

      Die evangelische Kirchengemeinde Pfaffendorf nach dem
2. Weltkrieg
Bettina Rohrbach, Gabriele Wölk und Heike Gutzeit im Gespräch mit Hubertus von Bendemann
 

 
Pfarrer von Bendemann:
Vorausschicken will ich diesem Interview zwei Bemerkungen. Zum einen möchte ich der Leserschaft den Grund mitteilen, weshalb ich über meine Zeit in der Pfaffendorfer Gemeinde keinen Artikel für diese Festschrift verfassen konnte, wie es ursprünglich geplant war: Eine Rückenoperation und ein lange dauernder Genesungsprozeß haben meine diesbezüglichen Pläne durchkreuzt.
Zum zweiten möchte ich vorausschicken, daß dieses Interview keinen Anspruch auf historische Objektivität erhebt. Es ist auch nicht zu verstehen als Ergebnis umfassender Recherchen, sondern eher als eine Wiedergabe meines subjektiven Erlebens dieser Zeit.

Herr von Bendemann, Sie sind 1968 in diese Gemeinde gekommen. Was waren Ihre ersten Eindrücke?
Als ich am 14. Juli 1968 hier anfing, trat ich ein positives Erbe an. Pfarrer Gladischefski hatte hier intensive Aufbauarbeit geleistet. Aufbau auch ganz wörtlich verstanden. Ich meine damit die ausgedehnte Bautätigkeit meines Vorgängers. In seine Amtszeit, er war hier seit 1946 Pfarrer, fiel der Wiederaufbau der Kirche in Pfaffendorf, des Pfarrhauses und des Jugendheims, der Bau und die Einrichtung der Gottesdienststätten in Arzheim und Urbar und Arenberg. Aus einer Gaserprobungskammer erwuchs die Kapelle auf dem Asterstein; auch die Wiederherstellung der Lutherkirche und die Einrichtung des Seniorenheimes, also fast alle Räumlichkeiten, in denen heute Gemeindeleben stattfindet, wurden unter Pfarrer Gladischefski, oder sagen wir, unter maßgeblicher Beteiligung seinerseits, renoviert, eingerichtet, erbaut.
Die damals 1000 Gemeindeglieder hat er alleine betreut, weite Wege zu Fuß oder mit dem Fahrrad zurückgelegt.
Die Gemeindeglieder gehörten in dieser Zeit dem gebildeten Bürgertum an. Pfaffendorf war bekannt unter dem Namen "Rheinisches Nizza." In diesen sozialen Strukturen war der sogenannte Traditionsriß noch nicht so stark ausgeprägt.
Frau Gladischefski war in der Gemeinde als Leiterin der Frauenhilfe aktiv.
Die Diakonisse Anna, genannt Sankt Anna, von 1922 bis1965 in der Gemeinde und dann mit der Leitung des Altenheims betraut, prägte wesentlich das Gesicht der Gemeinde.
1956 wurde die Gesamtgemeinde in zwei Teile geteilt. Die Nordgrenze verlief am Südrand von Ehrenbreitstein. Im Bezirk 1 trat 1963 Pfarrer Göttges die Nachfolge von Pfarrer Gladischefski an. Der Pfarrbezirk II wurde von 1956 bis1963 von Pfarrer Melzer versehen.
Seit 1967 gibt es die Einteilung der Pfarrbezirke in Nord, Mitte und Süd.
Der Pfarrbezirk Nord, in dem ich selbst seit Juli 1968 tätig war, umfaßte Arzheim, Arenberg, Immendorf, Urbar, die Niederberger Höhe, Niederberg und Neudorf.
Der Pfarrbezirk Süd, der das Gebiet südlich der Seizstraße umfaßte, war in den Jahren von 1967 1973 der Tätigkeitsbereich von Pfarrer Ulbrich.
Das Problem der Zersplitterung der Gemeinde war auch damals schon akut, vielleicht sogar akuter als heute, weil damals die Mobilität der Menschen noch sehr eingeschränkt war. Hinzu kamen geographische Gegebenheiten, natürliche Hindernisse wie Hügel und Täler. Die einzelnen Orte waren bestenfalls durch Feldwege verbunden. Die sich im Gebiet der Gemeinde ansiedelnden Kriegsheimkehrer, Flüchtlinge und Zugezogenen hatten das Bedürfnis, eben an dem Ort, wo sie sich niedergelassen hatten, heimisch zu werden, zu ihrer lokalen Identität zu finden. Wohl deshalb und natürlich auch unter katholischem Druck sammelten sich die evangelischen Gemeindeglieder und erstrebten ein eigenes Gemeindezentrum.
Die Gemeinde Pfaffendorf war ein Gemeindeverband, bestehend aus den Lokalgemeinden in den jeweiligen Ortsteilen, zusammengehalten allerdings durch ein übergreifendes Presbyterium, eine Verwaltung sowie durch die Pfarrerschaft.
Überbezirklich waren der Kindergottesdienst Helferkreis und der Gemeindebrief.
Signifikant war also, daß in jedem Bezirk, ja in jedem Ortsteil ein eigenes Gemeindeleben stattfand. Als ein Beispiel des sich Zentrierens am jeweiligen Ort möchte ich Urbar nennen:
Hier wurde das Gemeindeleben durch Dr. Klose, Vizepräsident des Oberlandesgerichtes, den man auch als "Ortsbischof von Urbar" bezeichnete, geprägt.
Die Gemeindeversammlung 1968, in der er überzeugend dafür plädierte, die alte Post und die Schule umzugestalten in ein Evangelisches Gemeindezentrum, war ein großer Erfolg.
Dieses Modell der "Ortsbischöfe", d.h. Menschen, die in dem jungen Gemeindeleben der einzelnen Ortsteile als Schalt-, und Anlaufstellen für Gemeindeglieder fungierten, gab es auch in den anderen Ortsteilen meines Bezirkes, aber auch in Pfaffendorf und auf dem Asterstein.
Wenn ich mich an das Gemeindeleben jener Zeit erinnere, denke ich an gut besuchte Gottesdienste in allen Bezirken - ein Knick setzte, meiner Beobachtung nach, in den achtziger Jahren ein. Was meinen Bezirk betrifft, denke ich gerne an die
Kinder- und Jungschararbeit in Arenberg, Niederberg und Urbar, die intensive Erwachsenenbildungsarbeit, auch an die Arbeit mit Eltern und jungen Familien, die sich auf der Niederberger Höhe um den Kindergarten herum entwickelte.
Welche Veränderungen hat die Gemeinde nach dem Zweiten Weltkrieg erfahren?
Das Verhältnis der Menschen in der Gemeinde zum vergangenen NS-Staat war sicher auch bedingt durch die nicht einheitliche soziale Struktur. Die Gemeinde in Pfaffendorf konstituierte sich aus Schichten des gebildeten gehobenen Bürgertums und höheren Dienstgraden des Heeres, die politisch eher mit national-konservativen Kreisen sympathisiert hatten. Natürlich gab es auch Gemeindeglieder und Mitglieder des Presbyteriums aus dieser Gesellschaftsschicht, die der SPD nahestanden.
Zu durch die politische Einstellung bedingten Konflikten im Gemeindeleben kam es trotzdem nicht und eine eindeutige Identifikation mit einer politischen Richtung wurde in der Gemeindearbeit vermieden - letztlich wohl deshalb, weil als Hauptauftrag der Kirche immer der Verkündigungsdienst galt.
Daß es gleichwohl zu Spannungen kam, und zwar in der kritischen Frage, wie der Friedensdienst zu gestalten sei, darüber will ich auch noch berichten. Bezüglich der Aufarbeitung der Gemeindegeschichte zur Zeit des NS-Staates besteht ein eindeutiges Defizit. Ich frage mich schon, weshalb das so ist. Zurück zu der Zeit nach dem zweiten Weltkrieg:
Man muß sich vorstellen, daß Mitte der fünfziger Jahre 4800 von 9000 Gemeindegliedern Soldaten waren. Das hat die Gemeinde natürlich geprägt.
Es kam zu erheblichen Spannungen im Presbyterium, in dem ja Glieder des personalen Seelsorgebereiches saßen, als 1967 Pfarrer Ulbrich, ein überzeugter Pazifist, der Wehrdienstverweigerer des Kirchenkreises betreute, den Bezirk Süd übernahm. Das kann man sich ja lebhaft vorstellen. Der Zeitgeist wehte uns, die wir uns darum bemühten, daß sich die Soldaten nicht ausgegrenzt vorkamen, ins Gesicht. Auf Synoden und Pfarrkonventen wurden meine Kollegen und ich für dieses Engagement häufig kritisiert.
Die Spannungen und Konflikte hinsichtlich der Friedensfrage, die auch innerhalb der Bundeswehr ausgetragen wurden, waren natürlich auch in der Gemeinde spürbar.
Ein Wort zu den Ehrenamtlichen, die während lhrer Amtszeit das Gemeindeleben mitgestaltet haben.
Da fällt mir zunächst der Kindergottesdienst ein.

Ich denke an Kindergottesdienstausflüge mit 250 (!) Kindern, Mitarbeiterfreizeiten und Rüstzeiten mit Helferinnen und Helfern. Damals ließ sich ein Helferkreis noch gut aufbauen.
Durch meine Lehrtätigkeit am Max-von-Laue-Gymnasium konnte ich einen Stamm von sehr engagierten Oberstufenschülern für die ehrenamtliche Mitarbeit in diesem Bereich gewinnen. Dazu kamen ältere Damen, die gleichsam das Herz der ganzen Arbeit waren.
Es gab in allen Bezirken große Jugendgruppen, die zeitweise von ehrenamtlichen Jugendlichen betreut wurden und die Ehrenamtliche wurden. Mir fallen jetzt viele Namen ein, und daß es im Umgang mit den Jugendlichen wahre Naturtalente gab. Hier sei auch auf die Pfadfinderarbeit auf der Pfaffendorfer Höhe verwiesen.
Dann denke ich natürlich auch an die Frauen, die sich in der Frauenhilfe engagierten, die selbstbewußt waren und "Köpfchen hatten" - nichts irritiert Männer ja mehr...
Ein Problem, das sich damals wie heute stellte, war eine gewisse "Überalterung" der Frauenhilfe. Deshalb trafen sich jüngere Frauen zu einem Frauenabendkreis.
Zwei Seniorengruppen existierten außerdem.
Unbedingt erwähnen will ich auch die ökumenische Nachbarschaftshilfe in Arenberg, Immendorf, Niederberg und Urbar. Die Mitarbeiter erledigten in den Straßen, die sie übernommen hatten, Einkäufe, Fahrdienste und sonstige Betreuung. Nach acht Jahren hörte dieser Kreis auf zu existieren, weil die Ehrenamtlichen das Gefühl hatten, ausgenutzt zu werden.
Man müßte eigentlich jetzt alle Ehrenamtlichen auf einer langen Liste aufführen..
Wenn Sie diesen Artikel schreiben, vergessen Sie nicht, das Hohelied des Ehrenamtes zu singen!
Die Ehrenamtlichen prägen die Gemeinde, ihre Gottesdienste, Gruppen, Kreise und Feste doch ganz erheblich.
Hervorheben will ich an dieser Stelle auch noch die Pionierarbeit der Presbyterinnen und Presbyter. Sie übernahmen Verantwortung und trafen wichtige Entscheidungen und brachten dabei erhebliche Opfer an Zeit und Kraft. Einen ganz gewichtigen Dienst leisteten die Kirchmeister im Bauwesen und in der Verwaltung der Finanzen.
Vielleicht hat sich in einem Punkt hier etwas geändert: Die ersten Presbyter, mit denen ich zusammengearbeitet habe, waren geprägt durch die Anerkennung des Wertes der Pflichterfüllung: Man tat seine Pflicht um der Sache willen. Man war getragen von einem hohen Ethos und dem Bewußtsein, aus der evangelischen Tradition zu leben. Deshalb stellte man sich selbstverständlich für das Amt des Presbyters zur Verfügung, wenn man darum gebeten wurde.
Mitte der achtziger Jahre nahm, meiner Beobachtung nach, diese Bereitschaft ab.
Man mußte bei den Menschen intensiver dafür werben, sich dieser Aufgabe zu stellen.
Ja, und wenn wir von Ehrenamtlichen reden, möchte ich auch die Arbeit der Pfarrersfrauen würdigen. Sie haben, nach einem abgeschlossenen Studium und beruflicher Qualifikation auf ihren Beruf verzichtet, sie haben den Haushalt in den großen Pfarrhäusern geführt und uns Pfarrer tatkräftig und klug unterstützt. Was von vielen so selbstverständlich hingenommen wurde, daß diese Frauen in der Gemeinde gearbeitet haben, ihre Kraft, ihre Energien, ihre Ideen eingebracht haben, das ist durchaus nicht selbstverständlich.
An welche Bezirks- oder Gemeindehelferinnen denken Sie zurück?
Im Bezirk Nord arbeitete als Gemeindehelferin Frau Schröder. Sie betreute die Jungschar, war für Altenarbeit zuständig und machte Haus- und Geburtstagsbesuche.
Mit letzterem war im Bezirk Mitte Schwester Wanda betraut. Kindergottesdienst und Hausbesuche wurden im Bezirk Süd durch Schwester Else besorgt.
In der Nachfolge wurden im Bezirk Nord Frau Keeling, Frau Rauheiser und Frau Bangert tätig. Im Bezirk Mitte arbeitete in dieser Funktion Frau Lobert, im Bezirk Süd Frau Kiefer.
Ich denke an alle Damen gern zurück, weil sie uns Pfarrer in der Gemeindearbeit tatkräftig und phantasiereich unterstützten.
Herr von Bendemann, lassen Sie doch einmal die ökumenischen Begegnungen in ihrer Amtszeit Revue passieren!
Zu Beginn meiner Amtszeit würde ich das katholisch-evangelische Verhältnis als neutrales, skeptisches Nebeneinander bezeichnen.
Das Verhältnis wandelte sich, als eine eher konservative Priestergeneration abgelöst wurde. Mit dem Personalwechsel und auch, weil sich langsam die Einsichten des II. Vatikanischen Konzils in den Pfarrgemeinden durchsetzten, wandelten sich auch die Beziehungen zwischen den Konfessionen.
Erwähnenswert ist in diesem Zusammenhang das Evangelisch-Katholische Seminar, das durch Prof. Schrage und dem Pallotiner Prof. Alfons Weiser veranstaltet und dann später als Gesprächskreis von Laien fortgesetzt wurde. Hier wurden gemeinsam Bibeltexte besprochen, aber auch die "heißen Eisen", wie beispielsweise das Kirchen- Amts- und Sakramentsverständnis, die Wiedertrauung Geschiedener, sowie die sogenannte ökumenische Trauung durchdiskutiert.
Ein wesentliches Feld ökumenischer Zusammenarbeit lag in den ökumenischen Schulgottesdiensten zur Einschulung, zur Entlassung, zum Schuljahresende, im Frühjahr und Advent. Ich will nicht verschweigen, daß es oft s e h r mühsam war, in den katholischen Grundschulen die evangelische Beteiligung einzuführen. Aber auch die Weltgebetstagsbewegung und Gottesdienste zum Buß- und Bettag sollten nicht unerwähnt bleiben.
Die anfänglichen Berührungsängste in den katholischen Dörfern sind sicher historisch bedingt: Die ersten Protestanten kamen Ende des 18. Jahrhunderts aus Preußen.
Die preußischen Beamten und Offiziere haben die eingesessene Bevölkerung oft recht ungeschickt behandelt. Diese historischen Voraussetzungen verursachten wohl das Mißtrauen gegenüber der evangelischen Kirche.
Mit welchen Begriffen würden Sie die Pfaffendorfer Gemeinde, so wie Sie sie erlebt haben, kennzeichnen?
Als erstes möchte ich die geographische Zerrissenheit nennen, die ich als einen Nachteil erlebt habe. Charakteristisch für diese Gemeinde ist sicher die soziale Uneinheitlichkeit.
Vielleicht kann man auch sagen, daß konservative Grundzüge kennzeichnend für das soziale Gepräge hier sind.
Kirche wurde als kulturelle Größe hier immer akzeptiert. Man war aufgeschlossen gegenüber kirchlichen Angeboten.
Ich würde aber sagen, daß eine eindeutige geistlich-geistige Prägung hier nicht auszumachen ist. Rheinische Verbindlichkeit und Freundlichkeit, aber auch eine gewisse Oberflächlichkeit sind mir hier begegnet. Die Menschen waren und sind aufgeschlossen für Fragen der Gegenwart.
Die Gemeinde war ja auch im kirchlichen Entwicklungsdienst engagiert. Welche Projekte hat die Gemeinde unterstützt?
Es gab das Projekt "Spaten für Yochuson" - ein Flugplatzbau auf der Insel Nias, der zur Entwicklung der Region beitragen sollte. Die Philippinen wurden unterstützt. Agusan, die Aktion Kenia:
"Brunnen für Kitopeni" und die "Aktion Troas" stießen in der Gemeinde auf große Resonanz. Auch für die Kindernothilfe wurde immer wieder gesammelt, und Patenschaften wurden übernommen. Wichtig war auch die Unterstützung des Gymnasiums "Thalita Kumi" bei Bethlehem.
In diesem Zusammenhang will ich auch auf die tatkräftige Unterstützung für unsere Patengemeinde Golßen in der damaligen DDR hinweisen. Seit den Tagen von Pfarrer Gladischefski fanden Besuche statt, Hilfsgüter wurden versandt und auch Geldbeträge unter großen Schwierigkeiten überwiesen.
Wie haben Sie die Zusammenarbeit im Kollegium erlebt?
An die Zusammenarbeit mit dem Kollegium habe ich vor allem positive Erinnerungen.
Das überwiegend harmonische Miteinander unter den Kollegen war ganz und gar nicht selbstverständlich, wenn man bedenkt, daß Pfarrer Ulbrich Barthianer, Pfarrer Göttges durch Tillich geprägt und ich selbst ein Anhänger Bultmanns war.
Dieses gute Verhältnis setzte sich auch fort, als Pfarrer Rademacher kam. Er war mehr an der praktischen Theologie interessiert und betrachtete unsere verehrten theologischen Lehrer als Fossilien.
Es wurde darum gerungen, ob der Auftrag eher in den Kasernen, oder bei der Betreuung der Soldatenfamilien und Angehörigen bestand. Eben diese Angehörigen wollten von sich aus aber lieber zur zivilen Gemeinde gehören.
Pfarrer Ulbrichts Bemühen war es, den personalen Seelsorgebereich der Militärseelsorge in die Gemeinde zu integrieren. Dagegen gab es Widerstand von Militärpfarrer Hees, der sich in Traditionen der Militärkirchengemeinde bewegte. Insgesamt war auch das Verhältnis zu den Militärpfarrern, Pfarrer Hees, Pfarrer Kusch und Militärdekan Hübner harmonisch. Das setzte sich erfeulicherweise fort, als Pfarrer Teubel und Pfarrer Rausch kamen.
Umstritten war allerdings das Verhältnis zwischen personalem Seelsorgebereich und zivilem Gemeindebereich. Dazu hat sich Pfarrer Teubel in seinem Festschriftartikel ausführlich geäußert.
Die Militärgemeinde hat dann ja auch Schritt für Schritt gegenüber der zivilen Gemeinde Opfer bringen müssen. Immer mehr Einrichtungen gingen in gesamtgemeindliche Nutzung über: Die Kindergärten auf der Niederberger Höhe und der Pfaffendorfer Höhe, die ursprünglich Militärkindergärten waren, die Hoffnungskirche, die zunächst reine Militärkirche war, das Pfarrhaus in der Rudolf-Breitscheid-Straße.
Insgesamt möchte ich aber vor allem auch den Soldatenpresbytern und den Soldatenfrauen im Presbyterium bescheinigen, daß sie eine hohe Flexibilität an den Tag legten und sich stets um das Verständnis der anderen Position mühten.
Herr von Bendemann, welche Höhepunkte fallen ihnen ein, wenn Sie zurückdenken?
Gerne erinnere ich mich an die Zusammenarbeit mit dem Kindergarten auf der Niederberger Höhe, an Kindergottesdienste und Freizeiten. Auch die Seminararbeit, der Hauskreis, der sich zur Besprechung aktueller Fragen zusammenfand, gehören zu meinen guten Erinnerungen.
Mir fallen Familiengottesdienste ein, große Gemeindewanderungen mit 150 Teilnehmern, darunter viele Kinder mit den Erzieherinnen. Sehr wichtig war mir immer die Verkündigung.
In der Schule - ich habe von 1968-1988 die Oberstufe unterrichtet - habe ich wichtige Impulse bekommen. Hier habe ich erfahren, welche theologischen Themen ich auch für die Gemeinde fruchtbar machen konnte.
Insgesamt möchte ich folgendes Fazit ziehen:
Ich war gerne Pfarrer, und ich würde diesen Beruf noch einmal wählen!

 

 

 

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