Am 9. Dezember 1902
teilte das "Königliche Staatsarchiv" in Koblenz "Herrn
Pfarrer Lohmann in Pfaffendorf" mit, daß sich in den Beständen des
Archivs "leider nur wenig über die kirchlichen Verhältnisse der
evangelischen Bevölkerung von Ehrenbreitstein in der ersten Hälfte des vorigen
Jahrhunderts [hat] finden lassen". Dabei ist es bis heute
geblieben. Dennoch
lohnt der erneute Gang zu den Quellen, denn die Fragen nach der Vorgeschichte
und den Anfängen der rechtsrheinischen evangelischen Gemeinde, die sich am 1.
Oktober 1899 mit ihrem Sitzort in Pfaffendorf konstituiert hatte, interessieren
uns heute zu ihrem hundertjährigen Jubiläum ebenso, wie sie ihren
Gründungspfarrer vor fast hundert Jahren interessiert haben. Ihm gegenüber
aber haben wir den Vorteil, über das heute als "Landeshauptarchiv"
firmierende ehemalige Staatsarchiv hinaus auf zahlreiche andere Archive
zurückgreifen zu können, die sich im Laufe der vergangenen knapp 200 Jahre
gebildet haben.
Das
jüngste von ihnen ist das seit 1899 aus dem Verwaltungsschriftgut der eigenen
Pfarrei erwachsene Pfaffendorfer Gemeindearchiv. Darüber hinaus aber können
heute auch die wesentlich älteren Archive des Kirchenkreises (früher Synode)
Koblenz sowie der evangelischen Gemeinde Koblenz zu Rate gezogen werden. Sie
werden in der Archivstelle des Archivs der Evangelischen Kirche im Rheinland
zugänglich gehalten, die ihren Sitz in Boppard hat. Natürlich bietet auch das
Stadtarchiv
Koblenz
mit seiner Überlieferung zur preußischen Bürgermeisterei Ehrenbreitstein
zahlreiches Material, auf das mancher Beitrag in dieser Festschrift gern
zurückgegriffen hat. Nicht benutzt wurden die Archivalien des ehemals
preußischen Konsistoriums der Rheinprovinz, die im Archiv der Evangelischen
Kirche im Rheinland in Düsseldorf verwahrt werden. Die vollständige Geschichte
der evangelischen Gemeinde Pfaffendorf ist folglich auch mit diesem Buch noch
nicht geschrieben.
Bevor
wir das jedoch allzu lautstark bedauern, folgen wir erst einmal den Spuren, die
der Archivar Dr. Paul Richter in seinem oben erwähnten Schreiben gelegt hat.
Dr. Richter selbst war Mitglied der evangelischen Gemeinde Pfaffendorf, in deren
namengebendem Ort er auch wohnte. Das aber erwähnt er in seinem amtlichen
Schreiben natürlich nicht. Das haben erst die Nachforschungen ergeben.
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